Der Goldhelm glänzt

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    • Der Goldhelm glänzt

      Nachschau Berlin Mariendorf, 19.07.2019

      Beide Hauptereignisse gehen an Michael Nimczyk: Toscanini Diamant schwingt den Taktstock bei den Newcomern – Free Bird fliegt in der Silberserie – Munteres Favoritensterben – Berliner Combo erster Meeting-Sieger – V7+-Jackpot von 8.719,18 Euro

      Das ging ja gut los für den deutschen Goldhelm! Das mit einigem Stottern beginnende, mit Spannung erwartete Derby-Meeting 2019 läutete Michael Nimczyk so ein, wie er sich bei jenem des Vorjahrs präsentiert hatte: Als siegeshungriger Löwe, der sich nicht nur zum einzigen Doppelsieger der von zahlreichen Favoritenstürze geprägten Elf-Rennen-Karte aufschwang, sondern die wertvollsten Prämien einsackte.

      Bevor es bei idealem Rennbahn-Wetter - bei 25 Grad fielen die vage prognostizierten Schauer aus - endgültig heißen konnte: „Manege frei“ zu der auf 17 Tage gestreckten wichtigsten deutschen Traber-Veranstaltung, musste etwas an Prinz Russels Ausrüstung justiert werden. Dann waren einige der unerfahrenen Kandidaten partout nicht hinter den Startwagen zu bugsieren, so dass es mit acht Minuten Verspätung losging. Nun war auch Favorit Fight of the Night am späten Nachmittag richtig auf zack, übernahm nach 500 Metern resolut das Kommando und schaute nie mehr zurück. Leicht und locker stiefelte die Berliner Pflanze - Trainer ist der Karlshorster Andreas Gläser, Züchter Fritz Pögel, auch die Besitzer sind bodenständig, Gustav Diamant war jahrelang Mariendorfer Bahnrekordler und Ferrero Küsschen eine Berliner Stute - beim zweiten Start zum ersten Mal in den Winner Circle und ließ all jene strahlen, die ihm ihr Wettgeld mitgegeben hatten: 1,6fachen Einsatz bekamen sie „ohne Zittern“ zurück.

      Ein ähnliches Bild präsentierten die Amateure in ihrer ersten Prüfung mit dem kleinen Unterschied, dass sich 13:10-Favorit Fionaro an der von Herbert Tuscher sofort nach vorn beorderten Gri Happy Girl die Zähne ausbiss. Für 162:10 machte das „Homebred“ des Stalles Granit das seit Jahrzehnten im Rennsport verwurzelte 73jährige bayerische Urgestein glücklich, der anschließend um seine Stute bangen musste, die sich während der Siegerehrung selbstständig gemacht hatte.

      Nicht nur finanzieller Höhepunkt dieses ersten Tages war das 1. Halbfinale der neu konzipierten Newcomer-Serie für Vier- und Fünfjährige, das qua Ausschreibung die Besten aus den sechs Vorläufen hinter dem Startwagen versammelte (Halbfinale II wird am 9. August in Wolvega ausgefahren). Deutschlands Goldhelm steckte rigoros seinen Claim ab und machte sehr deutlich, dass er an seine glanzvollen Derby-Tage 2018 anzuknüpfen gedenkt. Mit dem zum zweiten Mal ohne Check aufgebotenen und dadurch sehr viel quirliger wirkenden Toscanini Diamant schwang er sofort den Taktstock und ließ sich durch das Allegro, das Favorit Give You All of Me in der Todesspur abspulte, nur unwesentlich beirren. Nicht so sehr der Schwede als das eigene ständige Pendeln mit dem Kopf brachte Toscanini an der letzten Ecke in die Bredouille und für sechs, sieben Schritte aus dem Tritt, was Rennkommentator Murat Eryurt veranlasste, ihn im Vorgriff auf die Rennleitung disqualifiziert zu sehen. Die jedoch sah, da dieser kurze Aussetzer weit vor der Einlaufmarke stattfand, dazu keinerlei Anlass. Michael Nimczyk hatte den Muscle-Hill-Sohn rechtzeitig wieder im Griff und siegte sozusagen „kommentarlos“ sicherer, als es der Richterspruch mit einem „Hals“ Vorsprung“ auswies. „Noch stärker ist er, schicken wir ihn ohne Eisen ins Rennen, aber da er während des Meetings noch einmal antreten soll, konnten wir ich heute nicht barfüßig ins Match schicken“, kommentierte der 33jährige. Der tapfere Quälgeist musste in einem sehenswerten Finish auch seinen ständigen Schatten Major Ass vor sich dulden und für die Knochenarbeit mit Bronze knapp vor Timberlake Diamant zufrieden sein.

      Zweiter Hingucker war Lauf 5 der Silberserie um 6.000 Euro, auch wenn von den sieben Kandidaten lediglich ein Quartett ohne Beanstandung durch die Rennrichter das Ziel erreichte. Vom Fleck weg machte Thorsten Tietz mit Glaedar Dampf, was in die Tagesbestzeit von 1:13,2 mündete. Zu gewinnen vermochte der Lucky-ChuckySohn dennoch nicht. Als Nimczyk den lange versteckten Free Bird losließ, flog der kleine, kampfstarke Ready-Cash-Hengst verblüffend leicht um 2½ Längen vorbei und scheint nach einigen Problemchen auf bestem Weg, an die überragende Vorsaison anzuknüpfen.

      Den 1. Vorlauf des Handicap de Luxe dominierte Errakis, wie er bzw. Catchdriver Jörgen Sjunnesson es wollten. Im Ziel waren sie im schlanken 1:16,8-Gang weit voraus, und wer etwas auf die Abstammung eines Pferdes gibt, war mit dem kapriziösen Franzosen auf der sicheren Seite: Eines seiner Geschwister ist niemand anderes als Oyonnax, 2010 der überraschendste Prix-d’Amérique-Sieger aller Zeiten! Mächtig kämpfen musste der launische Campione in Vorlauf 2, der sich in einer von Online PS sehr zügig gestalteten Partie erbittert gegen die unermüdlich fightende Heras Traum um eine halbe Länge durchsetzte und Manfred Zwieners Hoffnungen voll erfüllte: In 1:16,6 waren der Ex-Europameister und sein „braunschimmeliger“ Schwede am ersten Ziel der Wünsche und kreuzen in zwei Tagen mit Errakis und den Anderen noch einmal die Klingen – dann um den doppelten Siegpreis von 2.800 Euro.

      Der erste, den Hobbyfahrern vorbehaltene Lauf des Kombi-Pokals ging nach sattsam bekanntem Rezept, das da lautete, die Spitze zu übernehmen und bis zum Zielstrich niemanden vorbeizulassen, an Thorsten Tietz‘ Schweden-Mitbringsel Västerbo Morning. Die Stute, der der Berliner Rechtskurs wohl sehr viel besser mundet, als in ihrer Heimat „linksrum“ zu laufen, wimmelte mit ihrer Besitzerin Sarah Kube den zudringlichen Night Star Sam, Georgies Express und Stormy Salsa sehr sicher ab. Ein völlig anderes Resultat ergab der zweite, von Profis bestrittene Lauf, in dem Stefan Schoonhoven mit Hollands Geheimtipp C’est La Vie C der Schwedenstute den Weg an die Spitze resolut verbaute und damit den soliden Grundstein für einen letztlich sicheren Sieg legte. Keine Rolle nach dem harschen Beginn spielte die ins äußere Mittelfeld abgetauchte Västerbo Morning. Der schon in Lauf 1 manch merkwürdigen Schritt dazwischenhauende Night Star Sam trabte bei der Zweitauflage bedeutend schlechter und wurde 300 Meter vorm Ziel mit der blauen Karte ausgemustert. Hinter der eleganten Fuchsstute feierten mit Late Night Show, Orefice und Look Red Romulus verdeckt vorgetragene Außenseiter in dieser Reihenfolge fröhlichen Ringelreihen und ließen die Viererwette auf 49.377:10 explodieren.

      Bonanomi CG und Andreas Geineder waren im 5. Rennen die chronologisch Ersten, die nicht aus der Pole Position zur Ehrenrunde eindrehen durften. Die hatte Hellboy inne, und der schmucke Fuchs marschierte vorneweg wie beim Parademarsch. „Wer zur Hölle ist die denn“, mag sich Uwe Zevens gedacht haben, als der Nachwuchsmann seine Stute auf der Zielgeraden aus der Deckung losließ und die Igor-Fant-Tochter brav und sicher zum dritten Karriere-Erfolg davon flitzte.

      Nicht zurückzudrehen vermochte Fridericus das Rad der Zeit, obwohl Heinz Wewering den Schwarzbraunen, der den eisernen Gustav Diamant nach neun Jahren Regentschaft am 24. September 2016 als Bahnrekordler abgelöst hatte, vorneweg mächtig knattern ließ. 1400 Metern lang sparte Gerhard Biendl seinem Rapido OK im Windschatten Fridericus‘ viele Körner, beorderte den Italiener dann nach außen und brauchte ihn „nur laufen zu lassen, wie er wollte. Er machte alles von allein“, strahlte der oftmalige Bayern-Champ. Rapido OK tilgte im neunten Anlauf einen weißen Fleck auf seiner „To-Do-Liste; bis dato hatte er noch nie in Mariendorf gewonnen.

      Den nicht unbedingt krönenden Schlusspunkt setzten die aus drei Bändern auf die 2500 Meter weite Reise geschickten Franzosen-Traber, die ihrem Ruf für Überraschungen vollauf gerecht wurden. Mit Brandy Hornline beim Ab, Casanova d’Amour im ersten Bogen und Barbariska 700 Meter vorm Ziel fielen drei aus dem Favoriten-Quartett im Galopp aus. Nummer vier Dark Look sprang mit Mykola Wolf in die Bresche und rang den mit dem ersten Schritt führenden Djoko du Bellay mit dem letzten Aufbäumen nieder.

      Umsatz bei 11 Rennen: 212.606,89 Euro (incl. 139.061,69 Euro Außenumsatz)
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