Zur Situation des Trabrennsports incl. HVT ........

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    • Zur Situation des Trabrennsports incl. HVT ........

      ... erreichte mich folgender Brief eines seit vielen Jahren bekennenden Anhängers des TRS, welchen ich der interessierten Öffentlichkeit nicht vorenthalten möchte.

      Hab ich doch selten bis nie eine treffendere Situationsbeschreibung gelesen.

      Vorsicht ! Lang !




      Guten Tag Herr Müller,
      wir sind uns offenbar nicht nur einig in der Kritik an den Dopingregeln, sondern auch in der Erkenntnis, dass diese nur ein Problem unter vielen sind.

      Aber wir wissen auch beide, dass weder dieses Problem noch die weit schwerwiegenderen, wie undurchsichtige Buchführung, Besitzerschwund und permanente Abnahme des Pferdebestandes, unter der jetzigen Führung im HVT änderbar sein werden.

      Auch wenn die Entscheidungen im HVT oberflächlich betrachtet eine demokratischen Abstimmung und Mehrheitsentscheidungen sind, hat das nach meiner Auffassung mit Demokratie im eigentlichen Sinne wenig zu tun.

      Bei der Demokratie ist es ähnlich wie bei der Statistik:
      Der Ersteller einer Statistik hat schon im Vorfeld die Möglichkeit, das Ergebnis im gewünschten Sinne zu beeinflussen, indem er entscheidet, welche Werte er in seine Auswertung einfließen lässt.

      Will sagen, wenn ich in einer Demokratie den Kreis der Abstimmungsberechtigten so eingrenze, dass lediglich einem sehr kleinen Teil der Beteiligten ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird, wird der Sinn des demokratischen Mehrheitsbeschlusses damit konterkariert.

      Genau das passiert aber derzeit im HVT.

      Die unsägliche Machtkonzentration die sich aus der Personalunion Präsident/Geschäftsführer ergibt, hat zu einer Entmachtung und Entmündigung der Mehrheit der Sportbeteiligten geführt.

      Diese sind es aber, ohne die letztlich kein TRS möglich wäre, aber leider sind sie auch die schweigende Mehrheit.
      Sie meckern im Hintergrund, sind aber mehrheitlich auch nicht bereit, die Situation durch offene Kritik und Eigeninitiativen zu verändern.

      Die einen ergeben sich in ihr Schicksal immer nach dem Motto „Hauptsache morgen sind Rennen“ und andere ziehen sich zurück, weil sie sich nicht mehr gängeln lassen wollen.

      Wieder andere versuchen es mit der Politik der kleinen Schritte, wie anscheinend im Augenblick die Initiative GotrabGo, indem sie dem HVT und Rennvereinen Veränderungsvorschläge unterbreitet.

      Dass diese Strategie in der derzeitigen, prekären Situation ausreichend ist, wage ich zu bezweifeln. Es ist eine Behandlung der Symptome nicht aber der eigentlichen Krankheit.

      Es führt vielleicht zu einer Linderung, bezogen auf den TRS evtl. kurzfristig zu weniger Unmut und Frust an der Basis und kann im besten Falle den Rückzug weiterer Aktiver verhindern.
      An der Misere ändern wird sich m.E. durch deren Aktivitäten kurzfristig nichts. Und dass diese Initiative über ihre Aktivitäten neue Menschen für den Sport begeistern kann, glaube ich auch nicht.
      Denn zum einen ist der Kreis derer, die sich engagieren, zu klein und zum anderen wäre für fast alle Änderungen die Absegnung des HVT und die Beteiligung der RV nötig.
      Die Vergangenheit lehrt aber, dass das Engagement bei den meisten sehr schnell erlahmt.

      Und dass der HVT in der jetzigen Situation zur Kooperation bereit sein wird, wenn er sich nicht die evtl. Erfolge auf seine Fahnen schreiben kann und vor allem keine Machtverluste befürchten muss, ist auch nicht zu erwarten.

      Kritik zu üben und den „Finger in die Wunde“ zu legen trauen sich nur wenige. Sie waren und sind da eine löbliche Ausnahme. Auch wenn wir sicher nicht immer einer Meinung sind und waren, so gehören wir aber wohl beide nicht zu den Opportunisten.
      Leider war und ist der Sport geprägt durch die „Blätter im Wind“ die sich notfalls auch um 180° drehen, wenn es ihnen persönlich nützt. Dieses Verhalten gründet sowohl auf Abhängigkeiten als auch auf Ignoranz und falsch verstandenes Harmoniebedürfnis.


      Nur wenn es gelingen würde, die Machtkonzentration des Herrn Tell im HVT zu beseitigen, wäre der Weg frei, den HVT so umzustrukturieren, dass er zu einem Vertretungsorgan des Sports wird, durch den sich alle am Sport beteiligten Gruppen vertreten fühlen.

      Nur wenn man nicht mehr über die Basis hinweg entscheidet sondern mit ihr in einem echten demokratischen Prozess (an dem alle beteiligt werden) Mehrheitsentscheidungen getroffen werden, wird man zumindest dem Aktiven-Schwund und damit auch dem Bestandsschwund begegnen können.

      Und nur dann wird es möglich sein, grundsätzliche und zukunftsweisende Strategien (wie z.B. Maßnahmen zur Gewinnung neuer Interessenten für den Sport, Richtlinien für die Zucht und Vermarktungsstrategien für die Rasse Traber und sinnvolle Vermarktung der Wetten) zu entwickeln.

      Nach meiner Auffassung ist eine Neuausrichtung auf nahezu allen Ebenen, d.h. in der Zucht, beim Rennsystem (Handicaps, wechselnde Distanzen, Rennserien etc.), Schaffung von Anreizen für Besitzer und Züchter sowie die regionale und überregional Werbung unerlässlich.

      Ich halte auch, vermutlich anders als die Mehrheit, die Steigerung der Wettumsätze nicht für das Allheilmittel.
      Und ich glaube auch nicht daran, dass die daraus generierten und zur Erhöhung der Rennpreise verwendeten Mittel dazu führen, in nennenswertem Umfang neue Besitzer zu gewinnen.

      Ich denke, dass der Weg, um neue und möglichst potente Besitzer zu gewinnen weniger über die Höhe der Rennpreise als vielmehr über das Prestige, den ein Besitzer über einen Sieg erzielen kann und über z.B. Ehrenpreise, die sich zum Vorzeigen und Ergötzen im privaten Umfeld eignen, zu gewinnen sind.

      Und entscheidend wird nach meiner Auffassung sowohl für den Rennbahnbesucher als auch für den potentiellen Besitzer sein, in welchem Umfeld er sich bewegt und welchen Stellenwert der Sport in der Öffentlichkeit hat.
      Beide Gruppen brauchen Identifikationsmöglichkeiten, um die Faszination für ihr Hobby auch in ihrem Umfeld vertreten zu können.

      Und genau daran fehlt es im deutschen TRS. Wenn man den TRS selbst mit den kleinen 2. und 3. Ligavereinen des Fußballs vergleicht wird es mehr als deutlich.
      Egal wo man sich im privaten Umfeld bewegt, in Sachen Fußball kann jeder mitreden und fast jeder hat seinen kleinen Club vor der Haustür für den er brennt und auf den er nichts kommen lässt.

      Den Trabrennsport kennt in Deutschland kaum noch einer und den Flair der „Schönen und Reichen“, den der Galoppsport auch heute noch in breiten Kreisen der Bevölkerung hat, hat der TRS noch nie gehabt.
      Daran sollte man aber arbeiten, denn Änderungen vornehmlich an den Wünschen der Wetter auszurichten halte ich auch für den gänzlich falschen Weg.
      Neue Wetter in dem Maß zu generieren, dass die RV kostendeckend wirtschaften können, halte ich für reines Wunschdenken.

      Wer hierzulande spielen will kann dies mit deutlich höheren Gewinnaussichten rund um die Uhr im Internet und beim Lotto, Toto und diversen Lotterien tun.

      Nur die wirklich eingefleischten Pferdewetter werden dies unabhängig von den anderen Spielmöglichkeiten tun.
      Aber erstens gibt es davon immer weniger (früher wurden sie schon von ihren Vätern mit zur Bahn oder zum Buchmacher mitgenommen) und zweitens wetten immer mehr von ihnen auf die französischen und skandinavischen Rennen.

      Nicht nur weil die Quoten dort höher sind, sondern auch, weil selbst der Alltagssport dort deutlich interessanter und von besserer Qualität ist. Und jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

      Mein Fazit: Wenn es nicht zeitnah zu einer Umstrukturierung des HVT kommt, wird es keine grundsätzliche und an die derzeitige Situation angepasste Erneuerung des Sports geben und der deutsche TRS wird kurz- oder mittelfristig (innerhalb der nächsten 3-5Jahre) nur noch als reiner Hobbysport überleben können.

      Aus gesundheitlichen Gründen bin ich nicht mehr direkt im Sport aktiv. Dennoch verfolge ich das Geschehen und schaue mir die Rennen an, zumindest am Bildschirm. Denn der TRS war immer bedeutsamer Teil meines Lebens und ist es bis heute geblieben.

      Nichts desto trotz bedauere ich den beklagenswerten Zustand, in dem sich unser Sport befindet und es fällt mir schwer, tatenlos zuzuschauen. Aber alles hat seine Zeit und insofern werde ich mich damit begnügen, mich an meinen Rentner-Pferden zu erfreuen und hoffen, dass die derzeitigen Bemühungen der Initiative den Untergang verhindern werden.

      Aufgrund von Gesprächen mit anderen Weggefährten habe ich mir aber Gedanken gemacht, wo und welchen Änderungsbedarf es nach meiner Auffassung in den unterschiedlichen Bereichen des Sport gäbe. Ich habe es für mich zusammengefasst, um in einigen Jahren feststellen zu können, ob ich mit meiner Einschätzung richtig gelegen habe.
      In dem Zusammenhang bin ich in meinen Unterlagen auch auf ein Diskussionspapier gestoßen, was im Mai 2006 Herr Stadler im Vorfeld der Umstrukturierung des HVT und der Änderung der TRO für eine Infoveranstaltung vorgelegt hatte.

      Von meinen Bedenken und Kritikpunkten habe ich bei dieser Veranstaltung aufgrund des engen Zeitrahmens und des mangelnden Interesses der anderen Teilnehmer nur wenig angesprochen.

      Nachdem ich mir meine Auszeichnungen nun aber nach Jahren wieder durchgelesen habe, stellte ich fest, dass meine Bedenken und meine Kritik in jedem Punkt gerechtfertigt waren.

      Wäre z.B. einer Anregung im Hinblick auf die Regelung einer erweiterten (z.B. schriftlichen) Stimmabgabe gefolgt worden, wäre eine Machtkonzentration wie sie jetzt gegeben ist, kaum möglich gewesen.

      Nur wenn es jetzt gelänge die jetzige Satzung dahingehend zu ändern, hätte man auch jetzt noch die Chance (ohne eine „Palastrevolution“ anzuzetteln), eine wirkliche Demokratisierung des HVT zu erreichen und damit den Weg zu einer Neuorientierung frei zu machen.

      So nun habe ich mir meinen Frust von der Seele geschrieben und hoffe dass zumindest Sie die „Obrigkeit“ auch weiterhin als unbequemer Mahner auf ihre Pflichten hinweisen und deren Handlungen kritisch beleuchten.


      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von immo () aus folgendem Grund: Grammatik Streichung: zur Konzentration auf Wesentliches

    • Mich nervt das ewige Gejammere über den HVT.
      Seit Jahren ist es "fünf vor 12, oder fünf nach 12"
      Am Niedergang des TRS sei der HVT die Schuld.
      Vom Vermarkter spricht da niemand!

      Ich kenne viele Schuldige; Trainer die schamlos ihre Besitzer betrogen haben, Fahrer die auf Wetten gefahren sind,
      unfähige Vorstände die an alles, nur nicht an die Wetter und Umsätze gedacht haben
      Ungeschickte Ausschreibungen.
      Vor allem das,übrigens demokratisch beschlossene, Zuchtziel des frühreifen Trabers.
      Dadurch wurden unsere besten Pferde zwei und dreijährig kaputt-gestartet.
      Es fehlten und fehlen die Helden über die die Medien berichten könnten.

      Heute kann uns nur ein europaweiter Totalisator retten. So wie Andreas Gruber ihn hier unlängst beschrieben hat.
      An den PMU Rennen sieht man, was möglich wäre.
      Die PMU Rennen hat übrigens der HVT und nicht ein Vermarkter realisiert!
      Sollten wieder richtig Umsätze generiert werden, gäbe es höhere Rennpreise, dadurch würde man wieder neue oder auch alte Besitzer gewinnen.
      Der ganze TRS würde wieder einen anderen Stellenwert, auch in den Medien, erfahren.
      Wenn das wieder stimmig werden würde,wären den Besizern, Aktiven und Wettern die Zusammensetzung, oder Mitglieder-Bestimmungen des HVT schnurzegal!
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      MUC schrieb:

      Die PMU Rennen hat übrigens der HVT und nicht ein Vermarkter realisiert!
      ....das mag sein, aber in Belgien, Holland, Schweiz ,Österreich ,Malle u.anderen Orten auf der Welt und bei den Galoppern, war es nicht der HVT mit Tell....., also sollte man diese HVT-Tell-Leistung auch nicht überbewerten.....
      ..zu bedenken ist das Gesamtklima unter den am Trabrennsport beteiligten Gruppierungen, das sich mit Herrn Tell in seiner "Doppelfunktion" und seiner "Unbelehrbarkeit" wesentlich verschlechtert hat und eine Stimmung aufkommen lässt, die noch nie schlechter gewesen ist als jetzt....
      und vor ordentlichen Gerichten haben die allermeisten Strafen überhaupt keinen Bestand und die Regel, dass Strafen z.B. in der Sportgerichtsbarkeit bis zu 200 .-Euro widerspruchslos hinzunehmen sind ,egal was für ein "erfundener Tatbestand" dafür herhalten muß, erinnert eher an die Gepflogenheiten in Nord-Korea unter Kim Jong-un, denn die Vereinsgerichtsbarkeit sollte an die des BGB angelehnt sein, was man bei vielen HVT -Verfahren u. Entscheidungen bis heute vermisst u. wenn man die Anzahl von schlimmen Fehlleistungen durch einzelne überforderte Rennleitungsmitglieder sich ansehen muß die zum Schaden des Gesamtsportes führen , dann kann man wirklich nicht in "Begeisterung" für den Trabrennsport verfallen....eher wendet man sich Dingen zu, bei denen man Freude empfindet, vor allen Dingen wenn man noch viel Geld und Energie in sein Hobby investiert.
      ...übrigens hörte ich, dass Heiko Schwarma in dem Dopingverfahren , als er mit einem widerwilligem Pferd sich angeblich einer Dopingprobe "entziehen" wollte, durch ein "Ordentliches Gericht" freigesprochen wurde....